Auf den ersten Blick sieht das stattliche Haus an der Kirchbachstrasse 10 etwa ähnlich aus wie die meisten anderen ehemaligen Bauernhäuser im Dorf. So baute man im 19. Jahrhundert: in Stein, dreiteilig, mit Stall, Scheune und Wohnteil.
Doch bei genauerem Hinsehen fällt etwas auf: Über dem grossen bogenförmigen Scheunentor ist eine Fensterreihe zu erkennen. Hier befand sich einst der Tanzsaal der Wirtschaft «zur Krone». Dieser recht grosse, doch nicht besonders hohe Raum ist über eine lange Holztreppe in der Scheune erreichbar.
Ein Zeugnis des einstigen Ausstattung im Kronensaal hat sich bis heute erhalten. An der Decke ist noch immer eine Stuckatur-Rosette zu sehen, die dem Raum einst eine festliche Ausstrahlung verlieh.
Im Zentrum der Rosette ist eine Blume mit acht Blütenblättern zu sehen. Der Dekorkranz darum herum setzt sich aus neun verschiedenen Einzelteilen zusammen, fünf davon zeigen Reblaub und Trauben, eines Eichenblätter und Eicheln. Auf einem der Sektoren ist ein Sinnspruch zu lesen, auf einem anderen die Jahrzahl 1848. Im letzten Sektor sind Initialen auszumachen: Umrahmt von zwei Zweigen mit herzförmigen Blättern sind da die Buchstaben XHz und AF zu erkennen.
Die Jahrzahl 1848 ist klar
zu erkennen. In diesem Jahr
entstand die Stuckatur-Rosette.
Wie dem Versicherungsregister [1]
zu entnehmen ist, wurde der
Kronensaal 1846 ausgebaut.
Die Initialen beziehen sich
Auf das Wirte-Ehepaar von 1848:
"X Hz" steht für (Franz) Xaver Herzog,
"A F" für seine Gattin (Maria) Aloisia Fricker.
Eine Bemerkung zur Qualität der Rosette im Kronensaal:
Die Mitte des 19. Jahrhunderts war für viele Fricktaler Familien geprägt durch Not und Entbehrungen. Dass der Kronenwirt in dieser schwierigen Zeit Geld für eine Stuckatur im Saal seines Gasthauses aufwenden konnte, war sicher speziell.
Von ihrer künstlerischen Qualität her ist die Stuckarbeit im Kronesaal nichts Ausserordentliches. Die Formen wirken nicht sehr elegant, eher holzschnittartig derb. Die recht verschiedenartige Ausführung der Rebenblätter lässt vermuten, dass der Gipser hier diverse Abgussformen verwendete, die ursprünglich nicht zusammengehörten. Auch passen die einzelnen Teile nicht exakt aneinander, so dass zwischendrin manchmal Leerstellen entstanden.

Sicher ist die Kronensaal-Rosette nicht das Werk eines versierten Stuckateurs, eher ist sie als eine Arbeit eines Handwerkers aus dem dörflichen Umfeld zu werten.
Auch wenn die Gipsdecke im Kronensaal nicht mit der Qualität von Stuckateur-Künstlern jener Zeit mithalten kann, ist es doch löblich, dass die Besitzer der Alten Krone die Absicht bekundet haben, die Stuck-Rosette zu erhalten und nach dem Hausumbau in einem anderen Zimmer wieder einzubauen.
Quelle:
[1] Gemeindearchiv Wittnau Inv.-Nr. 375:1:2 Brandassekuranz-Kataster 1828 - 1847