Pest  –  Tempore pestis

Pfarrarchiv Wittnau: KI 09, p. 91 (Ausschnitt): Tempore pestis et Anno 611 [= 1611]
Pfarrarchiv Wittnau: KI 09, p. 91 (Ausschnitt): Tempore pestis et Anno 611 [= 1611]

 

Wer hätte das gedacht, dass wir im 21. Jahrhundert einmal eine Pandemie erleben müssen, die Tausende von Menschen dahinrafft und weite Teile der Weltwirtschaft zum Erliegen bringt? 

Vielleicht mit einer gewissen Überheblichkeit blicken wir modernen Menschen auf vergangene Zeiten zurück, wenn wir an die Pest im Mittelalter und der frühen Neuzeit denken, denn es ist uns heute klar, dass die Übertragung der Krankheit damals nur möglich war, weil die schlechten hygienischen Verhältnisse dies zuliessen. 

Die Pest - ursprünglich eine Bakterien-Erkrankung von Nagetieren - wurde durch Flöhen auf die Menschen übertragen. Dies löste die Beulenpest aus, welche in den meisten Fällen tödlich ausging. Weniger häufig aber nicht minder gefährlich war die Lungenpest, eine durch Tröpfcheninfektion ausgelöste Form der gleichen Krankheit.

Auch vor dem Dorf Wittnau machte der Pest-Erreger nicht Halt. Wir müssen annehmen, dass unsere Gemeinde von den grossen Pestzügen in den Jahren 1348 und 1564 erfasst wurde. Europaweit starb da jeweils zwischen einem Viertel und der Hälfte der ganzen Bevölkerung. Aus Wittnau ist davon nichts schriftlich überliefert. 

Über die Pest-Epidemie von 1611 hingegen kann uns das Totenbuch der Pfarrei Wittnau Auskunft geben. Allein in der Zeit von Dezember 1609 bis Januar 1611 starben in der Gemeinde 48 erwachsene Personen. Rechnen wir noch die Kinder dazu, die von der Krankheit dahingerafft wurden, müssen es rund 70 - 80 Menschenleben sein, die die Pest innert weniger Monate kostete.

Quellen:  - Pfarrarchiv Wittnau: Kirchenbuch KI 09 Wittnau (Ehe- und Totenregister ab 1585)

               - Roger Seiler: «Pest», in: Historisches Lexikon der Schweiz; online: https://hls-dhs-dss.ch

 

 

 

Namen der Wittnauerinnen und Wittnauer, die zwischen 4. Dez. 1610 und 2. Jan. 1612 starben:

 

 

4. Dez. 1610

Adelheid .... und

8. Dez. 1610

Heinrich Speiser

5. Dez. 1610

Heinrich Gaß

7. Dez. 1610

Barbara Fiegysen

20. Dez. 1610

Elizabetha Sibenmannin

27. Dez. 1610

Barbara Kramerin vidua

20. Jan. 1611

Fridolin Leuwer

2. Febr. 1611

Margaretha Götzschin

26. Juni 1611

Anna Bůsinger

28. Juli 1611

Johannes Bůsinger

29. Juli 1611

Anna Dreyerin 

6. Aug. 1611

Johannes Lewer

15. Aug. 1611

Heinrich Meyer

16. Aug. 1611

Verena Meyerin  virgo

21. Aug. 1611

Elizabetha Hertzogin  

11. Sept. 1611

Martin Frickher

13. Sept. 1611

Johannes Schaub

26. Sept. 1611

Rudolph Hort

27. Sept. 1611

Catharina Rüetschin

29. Sept. 1611

Johannes Keser

29. Sept. 1611

Elizabetha Ehrni [?]

29. Sept. 1611

Thomas Hirzel

1. Okt. 1611

Martin Herzog

6. Okt. 1611

Heinrich Müller

 

 

7. Okt. 1611

Jacob Schaub

8. Okt. 1611

Barbara Schaub

9. Okt. 1611

Christina Rüetschin

15. Okt. 1611

Anna Baderin

16. Okt. 1611

Verena Leübe

16. Okt. 1611

Ulrich Graber

16. Okt. 1611

Fridolin Meyer

26. Okt. 1611

Mathias Lenze

27. Okt. 1611

Johannes Mertz

27. Okt. 1611

Catharina Bürlin

2. Nov. 1611

Peter Frickher

3. Nov. 1611

Johann Heinrich Bader

3. Nov. 1611

Verena Gaß  vidua

6. Nov. 1611

Ulrich Frickher

9. Nov. 1611

Maria Graberin

16. Nov. 1611

Anna Spiserin

17. Nov. 1611

Maria Eickherin

20. Nov. 1611

Fridolin Schaub

26. Nov. 1611

Adam Kop

1. Dez. 1611

Margaretha Broglin

18. Dez. 1611

Verena Broglin

24. Dez. 1611

Barbara Lewer

1. Jan. 1612

Heinrich Spyser

2. Jan. 1612

Ursula Oberin


KI 09 / p. 94: Eintragungen im Totenbuch vom 9. - 27. Okt. 1611  (Pfarrarchiv Wittnau)
KI 09 / p. 94: Eintragungen im Totenbuch vom 9. - 27. Okt. 1611 (Pfarrarchiv Wittnau)

 

 

Aus der zeitlichen Distanz können wir kaum erahnen, welches Elend die ansteckende Krankheit in Dörfern und Städten einst anrichtete: Trauer um verstorbene Freunde und Verwandte, wirtschaftlicher Ruin betroffener Familien und düstere Aussichten für Kinder, die ihre Eltern verloren. 

Vielleicht kann der Blick zurück heute aber doch alle ermahnen, Krankheiten und Ansteckung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen!

In Corona-Zeiten gilt darum: Bleiben Sie wenn immer möglich zu Hause und schützen Sie damit sich und die andern!   

Händ Si Sorg!     Bliibed Si gsund!