Auswanderung

Vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gab es viele Wittnauer, die aus dem Fricktal auswanderten um fern der Heimat ihr Glück zu suchen. 

 

Von 1737  an wanderten mehrere Wittnauer Familien - insgesamt rund 50 Personen - nach Ungarn aus. Es ist anzunehmen, dass sie sich alle im Banat niederliessen. Die Österreichisch-Ungarische Monarchie unternahm seit 1718 Anstrengungen, in dieser von den Türkenkriegen entvölkerten und von Sümpfen durchzogenen Gegend deutschsprachige Kolonisten anzusiedeln. Heute liegt das Banat in den Ländern Rumänien, Serbien und Ungarn.

 

Manchmal waren es auch Einzelpersonen, die ihr Heimatdorf verliessen. Nicht selten zogen junge Wittnauerinnen in den Schwarzwald oder ins Elsass um dort eine Anstellung anzunehmen oder zu heiraten.

 

In den Jahren nach 1850 nahm die Bevölkerungszahl der Gemeinde Wittnau stark ab. Missernten, verursacht durch die aus Amerika eingeschleppte Kartoffelfäule, Krankheiten und eine Teuerung bei Lebensmittel- und Bodenpreisen stellten die Landbevölkerung vor grosse Probleme. Viele träumten davon, "in der Neuen Welt" (in Amerika) eine neue Existenz aufzubauen. 

Armengenössige, denen die Gemeinde den Hauszins bezahlte, wurden von der Behörde angefragt, ob sie nicht auswandern wollten. Bürgern, die sich entschlossen nach Amerika zu ziehen, offerierte die Gemeinde das Reisegeld, doch nur unter der Bedingung, dass sie sich nie wieder blicken liessen.

Schliesslich brachte die Gemeinde 3400 Franken an Auswanderungskosten auf. Trotzdem konnte die Gemeinde mit diesem "Geschäft" viel Geld sparen: Wären die verarmten Familien nämlich in der Heimat geblieben, hätte die Wittnauer Armenkasse für ihren Lebensunterhalt aufkommen müssen.

 

Ein denkwürdiger Tag war der 12. August 1850. An diesem Sommertag verliessen Dutzende Wittnauer ihre Heimat, in der Hoffnung, in Amerika sei das Leben leichter zu meistern als hier. Auch viele Familien mit Kindern machten sich auf den Weg ins Ungewisse. 

Wie sie die Überfahrt überstanden und ob sie in Amerika ihr Glück gefunden haben, davon wissen wir heute kaum etwas Konkretes.

 

Ein Beispiel unter vielen:

Unter den Auswanderern war auch Fridolin Herzog. Am 15. Januar 1850 starb seine Frau Magdalena. Am 12. August des gleichen Jahres wanderte er mit seinen drei Söhnen Fridolin (14 J.), Daniel (11 J.) und Heinrich (8 J.) nach Amerika aus.  

(Kopie aus dem Familienbuch, Pfarrarchiv Wittnau)

NB. Vater mit den 3 Söhnen nach Amerika gezog[en] den 12ten August 1850.
NB. Vater mit den 3 Söhnen nach Amerika gezog[en] den 12ten August 1850.

 

 

Abgeschoben: 

Auch Personen, die den Behörden nicht in den Kram passten, wurden nach Amerika befördert. Eine solche Geschichte ist im Protokollbuch des Wittnauer Gemeinderates nachzulesen. 

Anfang August 1850 bekam der Gemeinderat vom Bezirksamt Laufenburg die Meldung, der Wittnauer Bürger Hieronimus Fricker sei in Waldenburg (BL) wegen Bettelns in Haft. Am 8. August beschloss die Gemeindebehörde, Ammann Johann Rüetschi soll den Inhaftierten abholen, "damit derselbe mit den anderen nach Amerika verreisen könne". 

Es ist anzunehmen, dass Hieronimus Fricker auch unter jenen Wittnauern war, die am 12. August ihre Heimat Richtung Amerika verliessen. 

Ob seine Frau von der Auswanderung in die Neue Welt wusste, ist zu bezweifeln. Zwei Wochen nach der Abreise beschloss der Gemeinderat, der ortsabwesenden Gattin zu schreiben und ihr mitzuteilen, dass ihr Mann sie in Philadelphia erwarte.

 

Der originale Wortlaut der Protokolle ist hier nachzulesen.  

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Ein Kurzhörspiel zum Thema Auswanderung ist hier zu finden.  

 

Einige alte Fotos aus der neuen Heimat können Sie hier sehen.  

 

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In eigener Sache:

Über das Thema "Auswanderung" gäbe es noch sehr viel mehr zu berichten. 

Gerne würde ich auf der Homepage «Wittnau einst» Dokumente (z.B. Briefe) und weitere Bilder von ausgewanderten Wittnauern veröffentlichen. Besitzen Sie solche Unterlagen? Oder wissen Sie, wo solche erhältlich wären?

Nehmen Sie doch bitte mit mir Kontakt auf!                Christoph Benz