Eine alte Sage

 

[p. 68]

Me het scho viel in de Büechere glese,

Vo alte Gschichte in schöne Verse,

Daß do und dört in de Bergesregione

Mensche gelebt, vo seltne Natione.

S erzählt das 5te Lehr u. Lesebuch

Der Schuljugend über ne Zwergebesuch,

De stattgfunde het, vor alter Zit

Im Haslithal im Bernerbiet.

Aber nit umme im Oberland,

Sind gsi so guete Lüt bekannt,

Sondere au in eüse Gaue

Het me chönne dere gschaue.

Denn d Wittnauer wüsset au no d zälle

Vo sättige kurzwilige Fälle.

Das Hombergschloß, het mer eine gseit,

 

[p. 69]

Sig emol übere Huffe gheit.

Do hei d’Burre ne Gruse gfaßt

Und als het gseit, nu’ ufgepasst

Wenn si sind da ue gange

Wo vor Zite s Schloß het gstande.

Denn Geister heigs dört früeher gha,

I weiß nit Punnkt wie menge Ma

Und isch me zwit dra ane grennt

So händ sie eim en Flause glängt.

Dört het me im Dörfli inne

Vill Arbet gha mit em Spinne.

Do si mengisch am Früehlig z’Obig

Wibli cho ganz chlei und ordlig

Und hei de Lüte gholfe Spinne

Bis mitts i höche Sommer ine

Und dabie sind si gsi so flingg

Wie bim Spiel nes Seiltänzerkind

 

 

[p. 70]

Und Chueche händ si mitene brocht,

So guet im Dorf, het niemer gmacht.

Und miteme Liecht hei si chönne

Nes runds Loch dure Strauhwelle brenne.

Ihres Oel het au no solang brennt,

Drum het me se nu Zauberer gnennt.

Emengmol hei se d Burre ploget

Und über ihri Heimat gfroget,

Doch nüt meh het me ghört,

Als ufem Homberg obe, dört,

Wo d Schloßruine sige.

No das Räthsel isch gsi z’löse,

Was si wohl träge a de Füeße,

Denn ihres Chleid hed alles deckt,

Was sich vom Kopf zum Bode strekt.

Endli will ne Burrersma

Doch de sicher Bricht jetz ha!

 

[p. 71]

Und goht und streuet uf de Weg

Enmol ne Sack voll Äsche zweg.

Druf aber, am nächste Tag,

So heißts i der alte Sag,

Het me i dem künstlich Schnee

Ne Gaisfueß und ne Menschefueß gse.

Druf sind si nüm i d’Falle cho,

Hei nit emol meh Abschied gno.

O hät doch de donnerschiessigs Burr

Nie versuecht die Äschekur,

Wäre die brave Erdwib= u. Männdli

Sicher hütt no im Wittnauerländli.

 

                           F. I. H      u.

                           J. Brogli

 

           Wittnau  14. Mai  1888

                         Hochreuter, Förster.

 


 

Quelle:

Handschriftliche Aufzeichnungen von Franz Josef Hochreuter, Förster;

Seiten 68 – 71.          (Wittnauer Privatbesitz)

 

Die Transkription orientiert sich weitgehend an der Rechtschreibung des Originals. Nur wenige offensichtliche Fehler wurden berichtigt.

 

 

 


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Weitere Wittnauer Sagen und Märchen finden Sie als Audiodateien auf 

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Die Geschichten werden in Fricktaler Mundart erzählt von Traugott Fricker (1902-1981).

 

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