Militärische Aushebung  –  Stäcklibuebe

Für junge Männer – nicht nur für Wittnauer – war die Aushebung schon seit Menschengedenken ein ganz besonderer Moment auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Nur wer Militärdienst geleistet hat, so hiess es, sei ein richtiger Mann. 

Nach der Sportprüfung wurde den Jünglingen ihre künftige militärische Einteilung bekanntgegeben. Danach folgte der wilde Teil der Aushebung: ausgiebiger Bierkonsum, Beizentour und Schabernack. Kaum einer machte sich direkt auf den Heimweg. Besonders den Wittnauer "Stäcklibuben" sagte man nach, dass viele von ihnen nicht einmal am Folgetag wieder zuhause angekommen seien.


1917:

Aushebung in Laufenburg: Gruppenbild mit Puppenwagen  (ca. 1917)
Aushebung in Laufenburg: Gruppenbild mit Puppenwagen (ca. 1917)

Einst war es Tradition, dass die "Stäcklibuebe" zu ihrer Aushebung ein Blumensträusschen auf ihren Hut steckten.


1934:

Wittnauer "Stäcklibuebe" des Jahrgangs 1915 in Frick: Gruppenbild mit Serviertochter (1934)
Wittnauer "Stäcklibuebe" des Jahrgangs 1915 in Frick: Gruppenbild mit Serviertochter (1934)

Stehend vlnr.: Sepp Müller; Gusti Fricker, Tanewäbers; Toni Walde, s Sigerste; Paula ... ; Hans Brogle, Schnyders; Fridli Herzog, Sattlers; Gerold Herzog; Andreas Herzog, Bänis.

Kniend vlnr.: Anton Brogli, Vidale; Othmar Uebelmann; Kätterlis.

Die Sportlicheren unter den Jünglingen haben sich eine Ehrenmeldungskarte auf den Hut gesteckt.

 


1965:

Stäcklibuebe des Jahrgangs 1946:

hinten vlnr.:   Beat Walde, August Müller, Roland Hochreuter,  ..... *  , Anton Uebelmann.

vorn vlnr.:      Hanspeter Brogli, Peter Fricker. 

 

                     *  Andres Brogle oder Peter Hort

Die hier Abgebildeten erinnern sich noch heute daran, wie sie in einem Restaurant in Laufenburg mit dem Taschenmesser die Hosenbeine abschnitten ... (auf dem Bild deutlich zu erkennen!)

 


Warum "Stäcklibuebe" ?

 

Die stellungspflichtigen Burschen werden bei uns "Stäcklibuebe" genannt. Woher aber kommt dieser Ausdruck?

Einer Überlieferung zufolge soll das Wort auf die Zeit des Einfalls der Franzosen in die Schweiz (1798) zurückgehen. Da es zu wenige Freiwillige gab, seien die Männer durch das Los in die französische Armee eingezogen worden. Dazu wurden den Männern oder eben "Buben" mehrere "Stäckli" hingehalten. Wer ein kurzes "Stäckli" zog, musste für für Napoleon in den Krieg ziehen. 

 

Auf die gleiche Methode des Auslosens mit verschieden langen Hölzchen geht auch der Ausdruck "den Kürzeren ziehen" zurück. Wer "den Kürzeren zieht", hat das Nachsehen.

Quelle:  Kuriositäten-Wörterbuch der Schweizer Dialekte (argus data insights)

 

Es gibt aber noch eine andere Erklärung, wie die "Stäcklibuebe" zu ihrem Namen kamen:

Wenn die Stellungspflichtigen stolz zur militärischen Aushebung antraten, schulterten sie beim Gehen ihre Spazierstöcke wie Gewehre. Bevor sie in der Rekrutenschule eine richtige Schusswaffe in Empfang nahmen, waren sie halt nur erst "Stäcklibuebe".

Quelle:  KIM.bl (Kulturgüterportal und  Museumsnetzwerk Baselland)

 


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