Keltische Münzen vom Wittnauer Horn

Vor kurzem sind der Kantonsarchäologie Aargau auf dem Wittnauer Horn wieder bemerkenswerte Funde geglückt. Mit modernsten Methoden wurde auf der ganzen Siedlungsfläche eine Prospektion durchgeführt, um Fundstücke zu sichern, die bei früheren Ausgrabungen unentdeckt geblieben waren. Die Suche hatte nicht zuletzt das Ziel, allfälligen privaten Raubgräbern zuvorzukommen.  –  Mit Erfolg, wie sich zeigte.

Bemerkenswerte Fundstücke der Prospektion sind mehrere Münzen aus der Keltenzeit!

Einige sind zwar nur als Bruchstücke gefunden worden, andere aber in sehenswertem Zustand.
Die gefundenen Münzen sind aus unerschiedlichen Legierungen.

Die Bildsprache keltischer Münzen orientierte sich stark an griechischen und römischen Vorbildern der damaligen Zeit. Die Bildelemente sind oft stark stilisiert und lösen sich fast in Einzelteile auf.

 

Eine echte Falschmünze

Diese Münze – ein Quinar des Keltenstamms der Haeduer – zeigt auf der Vorderseite eigentlich einen nach links blickenden Kopf in einem Perlenkreis, hinter dem Kopf ein X. Das Münzbild ist aber schwierig zu erkennen, weil der Prägestempel bei der Münzprägung dezentral verschoben war.

Die Rückseite zeigt ein nach links galoppierendes Pferd, umgeben von mehreren Ringen. Unten ist ein E zu erkennen, der Ring links mit Strich wird als Y gedeutet.

Diese Münze ist keine reguläre Prägung, sondern eine zeitgenössische Falschmünze. Nur die äussere Schicht ist aus echtem Silber, der Kern ist von (billigerer) Bronze. Die kleinen Löcher in der Silberhaut verraten die Fälschung.

Auch im 1. Jahrhundert v. Chr. gab es also schon Falschmünzer.

Wtt.019.51/0.3 av  © BKSKA
Wtt.019.51/0.3 av © BKSKA
Wtt.019.51/0.3 rv  © BKSKA
Wtt.019.51/0.3 rv © BKSKA

Ø ca. 14 mm

 

 

Kleinbronze ( vor 52 bis ca. 30 v. Chr.)

Diese Münze ist eine reguläre Prägung der Keltenstämme Bituriges Cubi und Karnuten. Sie waren in Mittel- und Westgallien zuhause.

Auf der Vorderseite dieser Münze erkennt man einen nach links blickenden Kopf, wobei die Nasen-Mund-Partie durch Oxidation grün verfärbt ist. Die parallelen Wellenlinien stellen die Haare dar.

Auf der Rückseite ist ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln zu sehen, begleitet von einem Pentagramm (Fünfstern) und einem Ring mit einer Kugel im Zentrum. Adler sind auf den Münzen der Karnuten oft abgebildet.

Wtt.019.51/0.89 av  © BKSKA
Wtt.019.51/0.89 av © BKSKA
Wtt.019.51/0.89 rv  © BKSKA
Wtt.019.51/0.89 rv © BKSKA

Ø ca. 16,5 mm

 

 

Potinmünze (2. Hälfte des 1. Jh. v. Chr.)

Potin ist eine graue Bronzelegierung mit einem hohen Zinngehalt. Im Gegensatz zu keltischen Gold-, Silber- und Bronzemünzen wurden diejenigen aus Potin nicht geprägt, sondern gegossen.

Diese Münze – vom Keltenstamm der Sequaner – ist bloss als Bruchstück erhalten. Trotzdem ist auf der Rückseite recht deutlich ein nach links schreitendes pferdeähnliches Tier zu erkennen. Etwas wenig einfach ist auf der Vorderseite der nach links blickende Kopf auszumachen. Die zwei Punkte unten links stellen die Lippen dar. Unter dem Auge ist eine dreieckige Wangenklappe abgebildet.

Wtt.019.51/0.92 av © BKSKA
Wtt.019.51/0.92 av © BKSKA
Wtt.019.51/0.92 rv © BKSKA
Wtt.019.51/0.92 rv © BKSKA

Ø ca. 16,5 mm

 

 

Abbildungsnachweis:

Fotos / Copyright: Béla Polyvás, Kantonsarchäologie Aargau.

Das Duplizieren der Bilder ist ausdrücklich untersagt!

 


 

Einen herzlichen Dank an die  Kantonsarchäologie Aargau für Informationen und Bilder

und an Dr. Michael Nick (fundmuenzen.ch) für die fachkundige Durchsicht des Textes.